Gestern las ich in der Zeit von Lektoren, die in der Stunde 7,90 € verdienen und von Journalisten, die 42 Cent pro Zeile bekommen, überleben läßt sich da nur mit staatlichen Zuschüssen oder einem gut verdienenden  Partner.

Viele von uns haben Zeit und Geld in eine Ausbildung gesteckt, sich Expertenkenntnisse angeeignet, um jetzt unterhalb des Mindestlohns als Freiberufler zu arbeiten, weil der Markt angeblich nicht mehr her gibt oder die Konkurrenz zu groß ist. Ist das unser Preis für die Freiheit kein Angestellter zu sein?

Andererseits gibt es Stimmen aus der Freiberufler-Ecke die sehr richtig sagen:

Auch wenn man Dir ständig sagt, dass man Dich und Deine Arbeit wertschätzt, kannst Du auf die Dauer davon nicht leben. Auf die Dauer kannst Du nur davon leben, dass die Menschen Dir Deine Dienstleistung abkaufen und sie zu ihrem wahren Wert honorieren. Alles andere ist eine große Lüge.

Work for Pay | Pay for Work

Stéphane Etrillard

 

Was nichts kostet, ist auch nichts wert

Gründe seine Arbeitskraft unter Wert anzubieten gibt es scheinbar viele: so etwa die Durststrecken, wo absolut kein Auftrag reinkommt, die Kosten weiterlaufen und wir geneigt sind nahezu alles zu fast jedem Preis zu erledigen, Hauptsache Arbeit.  Auch die Schar der Mütter und nebenberuflich Tätigen, die zunächst einmal Fuß fassen möchten, versuchen mit  Dumping-Honoraren gegen die Konkurrenz zu bestehen und Kunden zu gewinnen.

Und billig wird ja auch zunächst einmal gerne genommen, den ein jeder möchte gute Arbeit für kleines Geld bekommen. Das große Erwachen kommt dann hinterher, wenn die Nachbesserungen die Kosten eines Experten weit übertreffen.

Die Folgen für uns sind immens: die Stundensätze sind im Keller, Neulinge haben es schwer Fuß zu fassen und  bei den Auftraggebern hat die Branche nicht den besten Ruf.

Deshalb sollten wir, bevor wir eine Dienstleistung anbieten, überlegen, welchen Preis/Stundensatz wir hierfür verlangen müssen, um wirtschaftlich, also gewinnbringend arbeiten zu können.

Was bin ich wert?

Ich habe drei Punkte berücksichtigt, um meinen Stundensatz zu berechnen:

  • Den Zeitansatz: 1042 bezahlten Jahresarbeitsstunden:
    bei 8 Arbeitsstunden täglich an 217 Tagen im Jahr.
  • Den Kostenansatz: Zeit mal Stundensatz ist Umsatz, kein Gewinn:
    neben dem Lohn sind auch diverse Betriebskosten wie Betriebsmittel, Büromaterial usw. zu berücksichtigen
  • Rücklagen (Krankheit, schlechte Auftragslage)

Möchte ich ein Jahresgehalt von 20.000,- € erzielen, muss ich einen Stundensatz von 50,-€ verlangen, unter diesem Stundensatz ist kein professionelle Freiberufler zu haben.  Stundensätze zwischen 49,- € und  38,83 Euro gehen auf Kosten der Rücklagen, Stundensätze unter 15,- € führen zum Bankrott.

Dieser so kalkulierte Stundensatz hilft mir den Wert meiner Arbeit einzuschätzen, er ist gleichzeitig  die Grundlage für meine Pauschalangebote. Mir fällt es  damit leichter, dem Kunden  “meinen Preis” zu erklären oder Angebote abzulehnen.

Fazit

Auch für uns Freiarbeiter gilt der Satz: “ohne Gewinn kein Geschäft”, denn nur dann können wir etwas gegen die Dumpingpreise tuen. Wir sind Experten, wir haben Zeit und Geld in unser Wissen investiert und müssen dafür sorgen, dass wir ebenso angemessen für unsere Leistung bezahlt werden wie Angestellte.

All diejenigen, die für Stundensätzen unterhalb 15,-€arbeiten, schaden uns allen und sollten sich fragen, ob sie wirklich ernsthaft ein Unternehmen betreiben oder ob es sich um ein Hobby handelt.

Mehr zum Thema finden Sie in der Wissensdatenbank von Lambert Schuster und bei Kunstundso.

Hilfe bei der Entscheidung, ob Freiberufler oder Gewerbetreibender finden Sie in diesem Artikel von Projektwerk.