Seit Juli 2011 bin ich virtuelle Assistentin  – mein virtuelles Büro gibt es nun drei Jahre, drei Jahre, in denen ich Höhen und Tiefen erlebt habe und viel über das Business gelernt habe. Profitiere hier von meinen Tipps und Tricks rund um das virtuelle Arbeiten.

 Die ersten Jahre – virtual office light

In den ersten Jahren hatte ich feste Auftraggeber, langfristige Aufträge und ein gleichbleibend gutes Gehalt. Das Ganze hatte schon was von einer Festanstellung im Homeoffice, mit dem Unterschied, dass ich die Sozialversicherungsbeiträge alleine zahlte und keinen bezahlten Urlaub hatte.

Es gab Präsenztage und ein Arbeiten in mehr oder weniger sinnigen Firmenstrukturen mit dem üblichen Kompetenzgerangel. Meine administrativen Tätigkeiten beschränkten sich auf  Rechnungen schreiben – virtual office light eben.

Und im Laufe der Jahre war da auch sehr viel Routine, die Herausforderungen wurden weniger, Tagesgeschäft eben, nur via VPN, Skype und TeamViewer.

Es fehlte der Blick über den Tellerrand

Das Arbeiten von zuhause aus hat mir sehr gefallen, jedoch fehlte mir die Perspektive, der “Blick über den Tellerrand”,  ich hatte keine Zeit für berufliche oder persönliche Weiterentwicklung,  alles war festgefahren und planbar.

Das ist Jammern auf höchsten Niveau, ich weiß, dass viele Menschen froh wären, so zu arbeiten, nur mir ist das zu wenig gewesen. Meine Arbeit ist ein Teil meines Lebens, die strikte Trennung in Arbeitszeit und Freizeit ist nicht meins, dafür bin ich viel zu lange freiberuflich tätig.

Das virtuelle Büro

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Nach einer Auszeit habe ich das virtuelle Büro gegründet, ich bin auch jetzt noch immer überrascht, dass es Leute gibt, die an meiner Dienstleistung Interesse haben und bereit sind dafür zu zahlen, ich freue mich über jede Anfrage.

Virtuelle Kundenkontakte

Viele Auftraggeber sind über die sozialen Medien wie XING, Facebook oder über Portale wie Fernarbeit.net und DNX-Jobs auf mich aufmerksam geworden, einige wenige sind durch Mundpropaganda zu mir gekommen, das virtuelle Büro steckte eben noch in den Kinderschuhen. Ich habe keinerlei Werbung gemacht und für SEO  fehlte mir die  Zeit.

Die Anfragen betreffen größtenteils WordPress, Online Marketing und typische Back Office Tätigkeiten, wie Termin- oder E-Mailmanagement,  teilweise sind auch komplette Schulungsunterlagen, Coachings oder sehr spezielle Tätigkeiten dabei.  

Bei  einige Herausforderungen bin ich in Schwitzen gekommen, über die eigenen Grenzen zu gehen ist normal geworden – ich bin daran gewachsen.

Virtuelle Assistenz ist IN

Mich hat es aus den Schuhen gehauen, wieviel Vertrauen die Menschen zu mir haben, egal ob es um Passwörter oder Zugänge zu Dokumenten geht, ich bedanke mich an dieser Stelle bei Christian, FilizJutta,  Yannick und allen Anderen für das Vertrauen. Es ist schön, dass es Menschen gibt, die sich auf das Experiment “virtuelle Assistenz” einlassen.

Völlig unterschätzt habe ich den administrativen Aufwand, Zeit also die nicht direkt bezahlt wird, sei es für Beratung, E-Mails oder Telefon.

Mir ist jetzt erst bewusst geworden, was ein Unternehmer alles leisten muss, um einen Euro zu verdienen, wie hart man arbeiten muss, um Umsatz oder gar Gewinn zu machen. Zukünftig werde ich kleinere Aufträge nur noch gegen einen Aufschlag für die Administration annehmen können, alles andere macht keinen Sinn.

Als Einzelkämpferin konkurriere ich mit den verschiedenen Agenturen wie eassistentmy-vpa oder Strandschicht  die virtuelle Assistenz zu Dumpingpreisen bieten (4,99 €/Stunde), mein Honorar ist erheblich höher.

Dafür  bekommt der Kunde bei mir Qualität, individuelle Betreuung und schnelle, problemorientierte Lösungen.  Es gelingt mir nicht immer mit diesen Argumenten zu überzeugen.

Ein Ausflug in die Festanstellung

Nach einem absoluten Down Anfang 2018 war ich so verzweifelt, dass ich auf Jobsuche ging. Kurioserweise fand ich auf Anhieb einen Job als Standortsleitung für ein Nachhilfeinstitut.

Von der Beschreibung her schien es auch ganz gut zu passen, als Chef in seinem eigenen Standort.

Die Ernüchterung kam sehr schnell, viele Regeln und Restriktionen, kaum Handlungsspielraum und ein enormer Druck möglichst viel zu verkaufen.

Die Arbeit als solche hat mir Spaß gemacht, der Umgang mit den Kids, Lehrern und Eltern war ganz nach meinem Geschmack. Die Einarbeitung ging schnell, ich habe gemerkt, dass es in diesem Bereich besonders auf die weichen Skills wie Empathie, Einfühlungsvermögen usw. ankommt.

ABER, ja ein ganz großes aber waren die ständigen Kontrollen und Vorgaben von oben, letztlich ging es nur ums Verkaufen und damit kam ich überhaupt nicht klar. Mein Fokus lag mehr auf die Bedürfnisse der Menschen, die zu mir kamen, ihnen das bestmöglichste Paket anzubieten.

Und ich habe wieder einmal festgestellt, dass ich nicht mit diesem Getrasche und Geklüngel unter Kollegen klar kam. mein Fokus lag auf der Arbeit und ich sah uns als Team, was gemeinsam an einem Strang ziehen.

Neustart 2.0

 

Vegan Athletes

Kurioserweise bat mich Christian, von dem ich schon eine Weile nichts mehr gehört hatte, eine WordPress-Schulung via Skype zu übernehmen. 

Unverhofft kommt oft: er machte mir das Angebot seinen Blog www.vegan-athletes.com zu managen und ich habe natürlich ja gesagt.

Diese Sache ist eine Herausforderung nach meinem Geschmack, viel Neuland und doch mit jede Menge Spaß an der Sache, mit der ich mich identifizieren kann, nur so kann ich gute Arbeit abliefern.

Hinzu kommt, dass ich hier in einem Team arbeite, was die Werte verkörpert, für die ich stehe:

  •  Ehrlichkeit und offene Kommunikation
  • Demut und “No – Ego”
  • “Work with Passion”
  • Gemeinsames Wachstum
  • Vertrauensvolle Partnerschaft
  • Respekt

WebDesign

Auch hier läuft es wieder an, die erste Seite von der lieben Nadja Voß ist bereits erstellt, die Nächste schon in der Mache, eine Online-Schulung nach meinem Schulungsleitfaden jeweils inklusive.

Eine Schweizer Firma hat mir über Fernarbeit.net den Auftrag erteilt, mehrere Webseiten SEO gerecht anzupassen, ein immer wiederkehrender Auftrag – super.

Schulungen

Seit kurzem bin ich Dozentin für Webdesign mit WordPress bei Karrieretutor. Gleichzeitig  überarbeite ich den bestehenden Onlinekurs. Die Neuauflage wird im Juni starten.

Online-Marketing

Meine neuste Anfrage von Martin Grünebaum ist mal so richtig spanndend: wir erarbeiten eine Positionierung und ein Marketing-Konzept. Dies wird zunächst die Webseite betreffen und im nächsten Schritt Social-Media-Marketing und E-Mail-Marketing, welches Hand in Hand geht mit einer weiteren Automatisierung der Kundenanfragen.

Ehrenamtliche Arbeit

Seit kurzem leite ich ehrenamtlich einen PC-Kurs für Senioren, es ist mir wichtig mein Wissen auch an Menschen weiterzugeben, die sich einen solchen Kurs nicht leisten können.

Für mich hat diese Arbeit viele Vorteile:

  • ich lerne neue Menschen kennen
  • ich darf diesen Menschen etwas beibringen
  • ich muss mich auf sie einstellen und 
  • es gibt mir ein gutes 

Tipps und Links

  • Wenn Du überlegst virtuell zu arbeiten, solltest Du Dir darüber im klaren sein, dass dieser Job sehr einsam sein kann.
  • Auch Disziplin und selbstständiges Arbeiten ist immens wichtig.
  • Du benötigst kein großes finanzielles Budget, PC und Internet reichen, was Du brauchst ist Zeit.
  • Hast Du Dich entschlossen, virtuell zu arbeiten, dann fang an, erstelle Deine Webseite und werde in den  sozialen Netzen sichtbar, dass macht Spaß und Du bekommst dadurch Fähigkeiten, die Dir bei Deiner virtuellen Arbeit helfen.
  • Beschränke Dich zunächst auf Deine Kernkompetenzen, Du kannst Dein Angebot  immer noch erweitern.
  • Sei mutig, auch wenn Du Dir nicht 100% sicher bist, eine Arbeit bewältigen zu können, tue es trotzdem, Du wirst erstaunt sein, was Du alles in Dir steckst, wenn Du es nur versuchst.
  • Schließe Dich Fachgruppen in Facebook & Co an. Hier findest Du Hilfe, wenn Du ein Problem nicht alleine lösen kannst.
  • Melde Dich bei kostenlosen Vermittlungsportalen wie DNX-Jobs und WorknSurf  an und stelle dort Dein Profil online. Auch Fernarbeit ist ein gutes Portal, ich habe darüber einige Kontakte bekommen. Es kostet allerdings 47,00 € netto/Vierteljahr.
  • Bringe Dich ein, teile Dein Wissen in Foren oder schreibe einen Blog, das ist die beste Werbung für Dich und Dein Unternehmen.
  • Engagiere Dich sozial, indem Du Vereine o.ä. Deine Leistung umsonst anbietest, sie werden Dich weiterempfehlen.
  • Denke mit und überlege, was jeder Kunde individuell braucht, liefere einen Mehrwert. Jeder Mensch freut sich, wenn er ernst genommen wird, unterstütze ihn und finde eine Lösung.
  • Und zum Schluss, mache immer mal wieder eine kreative Pause und plane Deine zukünftige Ausrichtung und Ziele, dass ist ebenso wichtig wie ein gefülltes Auftragsbuch.
  • Fang jetzt an!

Mein Fazit

Mein Tausch Sicherheit gegen Ungewissheit und täglich neue Herausforderungen ist an manchen Tagen spannend, an anderen anstrengend, meine finanzielle Lage ist nur bedingt planbar.

Ich habe mir ganz bewußt ein finanzielles Polster geschaffen, so dass ich momentan drei Monate alle laufenden Kosten gedeckt habe. Ziel ist es jedoch dieses auf sechs Monate zu erhöhen. 

Dieses Jahr hat mir gezeigt, dass ich ein finanzielles BackUp brauche, es gibt immer mal Flauten. Auf diese Weise kann ich ruhig schlafen und die Zeit zur Weiterbildung, Neuorientierung und Akquise nutzen.

Mit meinen Auftraggebern habe ich durchweg gute Erfahrungen gemacht, jedoch ist mir aufgefallen, dass ich als virtuelle Mitarbeiterin mitunter in Vergessenheit gerate, regelmäßiger Kontakt ist also wichtig. Daher telefoniere ich gerne mit meinen Kunden, so läßt sich sehr gut eine persönliche Ebene schaffen, die  Kundenbindung wird gestärkt.

Momentan bin ich mir nicht mehr sicher, ob ich bei meinem Angebot nur erweitere oder ändere, der Fokus wird sich in jedem Fall langfristig verlagern, ich werde flexibel bleiben. 

Eins habe ich in dem letzten Jahr gelernt: Unternehmer zu sein ist anstrengend und nichts für Feiglinge, ich habe großen Respekt vor jedem, der ein erfolgreiches Unternehmen auf die Beine gestellt hat.

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