Was Sie beachten müssen, damit ihr Artikel mit Freude -und bis zum Ende- gelesen wird.

1. Klare Gliederung:

Stellen Sie Ihrem Text immer eine Überschrift und, wenn nötig, eine Unterzeile beziehungsweise einen Vorspann voran, der die Leser neugierig macht, sie in den Text zieht und eventuell noch eine Frage aufwirft, die der Leser dann im Text beantwortet haben möchte („… und XY verrät auch noch sein Erfolgsgeheimnis“).
Gliedern Sie den Text in Abschnitte, die Sie mit Zwischen-Überschriften versehen können. Zuerst schreiben Sie den Text, dann erst die Überschrift, es sei denn Sie sind bei der Bildzeitung.

2. Nutzen Sie die Möglichkeiten der deutschen Sprache:

Dass Sie das das oder das dass korrekt benutzen, gehört zu den Grundvoraussetzungen beim Schreiben. Orthografie (oder auch Orthographie, die Rechtschreibung kennt viele solcher Ausnahmen), Satzbau und Grammatik sollten immer einwandfrei sein, wenn Ihnen Ihr Computerprogramm keine ausreichende Hilfe bietet, lassen Sie Ihre Texte Korrektur lesen.
Nutzen Sie die Satzzeichen; das Semikolon beispielsweise ist leider fast in Vergessenheit geraten, dabei hilft es dem Lesefluss ganz ungemein. Auch der Bindestrich wird –und das ist ganz bedauerlich- viel zu selten genutzt, den Einsatz von Klammern sollten Sie auf das Nötigste beschränken, sagte schon Goethe (1749-1832).
Anführungsstriche bitte ausschließlich bei Zitaten und wörtlicher Rede benutzen. Dirk Tenbrock sagt: „Der Punkt wird vor dem zweiten Anführungszeichen gesetzt, wenn der Satz endet.“
„Sollte der zu Zitierende hintenan gestellt werden, steht das Komma hinter den Anführungsstrichen“, sagt Dirk Tenbrock.

3. Kurze Sätze:

Benutzen Sie kurze Sätze. Das Leseverständnis ist besser als bei langen Schachtelsätzen. Auch wenn ich den Einsatz von Parenthese und Semikolon propagiere, liegt in der Kürze die Würze.

4. Keine Anglizismen:

Vermeiden Sie modernistische, amerikanisierte Worthülsen, die nicht jeder versteht. Kein Trip zu irgendeiner Location kann so Hip sein, dass er die Performance Ihres Textes nicht schädigen würde. Bewahren Sie Ihren Stil, biedern Sie sich –auch und vor allem in Online-Texten- nicht an. Wobei wir hier schon eine der Ausnahmen sehen: Online ist ok! Ansonsten: „Your choice!“
Und: Niemals Smileys verwenden! Klar, oder 🙂 ?

5. Keine Phrasen:

Der „Petrijünger“ ist ein Angler, die „Sonne lacht“ nicht, sie scheint, „die gute Seele“ der Firma ist meistens die Dame (nicht „Frau“!) aus der Personalabteilung, der „Wettergott“ existiert nicht, genau wie der „Fußballgott“. Besorgen Sie sich ein Phrasenschwein, das Sie füttern, wenn Ihnen „der Gaul durchgeht“.

6. Vermeiden Sie das Passiv, benutzen Sie das Aktiv:

Das macht Ihre Texte lebendiger.
Der Artikel wird nicht von einem Redakteur redigiert, sondern der Redakteur redigiert den Artikel.

7. Mehr Verben, weniger Adjektive:

Adjektive blähen einen Text oft auf; nicht alles ist schön, gefühlvoll oder wichtig.
Verben sind lebendig und dynamisch, wenn möglich nutzen Sie diese als Ersatz für ein Substantiv: Wir lernen hier etwas, anstatt das Erlernte anzuwenden.
Es möge nützen.

8. Vorsicht bei Pressemitteilungen:

Wenn Sie eine Pressemitteilung bearbeiten, müssen Sie diese oft in flüssige Sprache übertragen. Firmen, Vereine und vor allem Behörden neigen dazu, ihre Texte stark zu verklausulieren.
Lesen Sie in der Polizeimeldung von einer männlichen Person, die ihr Kraftfahrzeug unter Einfluss von Betäubungsmitteln geführt hat, dann wissen Sie, dass Sie nicht bekifft Auto fahren sollten.
Ganz grundsätzlich sollten Sie Fachjargon und Behördendeutsch vermeiden.

9. Lesen Sie viel, das bildet Ihren Stil:

Und zwar gute Fachmagazine genauso wie Qualitätsmedien wie Spiegel, Süddeutsche, Zeit oder sogar ihre lokale Tageszeitung. Legen Sie sich ein Archiv von Artikeln an, die Ihnen besonders gut gefallen und lesen Sie diese immer mal wieder. Lassen Sie sich von schöner Sprache bezaubern!

10. In der Ruhe liegt die Kraft:

Versuchen Sie ohne Zeitdruck zu schreiben. Manchmal fließen die Worte wie ein Schwall aus Ihnen heraus, das können die besten Artikel sein. Oftmals hilft es jedoch, den fertigen Text eine Nacht ruhen zu lassen und ihn sich dann selbst noch einmal laut vorzulesen.